Gottesdienst für Zuhause

Liebe Gemeinde,

da derzeit aufgrund der Coronakrise keine Gottesdienste stattfinden, laden wir Sie ein, von zuhause einen Gottesdienst mitzufeiern.

Wie gewohnt läuten in Lünen-Süd um 09.30 Uhr und in Hormstmar um 11 Uhr die Glocken und rufen uns zum Gottesdienst. Wir vertrauen darauf, dass wir als Christinnen und Christen untereinander verbunden sind durch Gottes Geist und im Gebet.

Vielleicht haben Sie die Möglichkeit, eine Kerze anzuzünden, während Sie den schriftlichen Gottesdienst lesen, und es sich irgendwo bequem zu machen.

Gottesdienst für den 3. Mai 2020 - Jubilate

von Prädikant Benoit Kylaba N´Gala (Predigt), Pfarrerin Katrin Stückrath (Liturgie) und Kantor Wilfried Gunia (Musik)

Präludium C-Dur, BWV 553 (Johann Seb. Bach)

Im Namen Gottes,
des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat.

Begrüßung

Der Sonntag „Jubilate“ – auf deutsch: „Jubelt!“ oder „Jauchzet!“ – erinnert uns an die Freude, die an Ostern durch Jesu Auferstehung in die Welt gekommen ist. Diese Freude darf uns auch jetzt bestimmen und uns sogar ganz verwandeln. Dementsprechend hält der Wochenspruch fest: „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe Neues ist geworden.“ (2. Kor 5,17) Doch wie kann das aussehen, „in Christus zu sein“? In diesem Gottesdienst orientieren wir uns dazu an Worten von Jesus aus der Bergpredigt.

Wochenpsalm 66,1-9

Jauchzet Gott, alle Lande!
Lobsinget zur Ehre seines Namens; rühmet ihn herrlich!

Sprecht zu Gott: Wie wunderbar sind deine Werke!
Deine Feinde müssen sich beugen vor deiner großen Macht.

Alles Land bete dich an und lobsinge dir,
lobsinge deinem Namen..

Kommt her und sehet an die Werke Gottes,
der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschenkindern.

Er verwandelte das Meer in trockenes Land, / sie gingen zu Fuß durch den Strom;
dort wollen wir uns seiner freuen.

Er herrscht mit seiner Macht ewiglich, / seine Augen schauen auf die Völker.
Die Abtrünnigen können sich nicht erheben.

Lobet, ihr Völker, unsern Gott,
lasst seinen Ruhm weit erschallen,

der unsre Seelen am Leben erhält
und lässt unsere Füße nicht gleiten.

(Luther-Bibel, Deutsche Bibelgesellschaft 2017)

EG 288 "Nun jauchzt dem Herren alle Welt"

Predigt

Predigt zu Matthäus 7, 1-5, eine Rede von Jesus:

Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet.

Denn nach welchem Recht ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden; und mit welchem Maß ihr messt, wird euch zugemessen werden."

Warum siehst du aber den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht?

Oder wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt, ich will dir den Splitter aus deinem Auge ziehen! – und siehe, ein Balken ist in deinem Auge?

Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge; danach kannst du sehen und den Splitter aus deines Bruders Auge ziehen.

 

Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet.“

Im diesem Text gibt uns Jesus eine grundlegende Hilfe für unser Glaubensleben. Er spricht zu seinen Jüngern, aber lassen wir uns persönlich und als Mitglieder einer christlichen Gemeinde von ihm ansprechen! Sind wir bereit für Jesu Wort?

 

Jesus lehrt uns hier klipp und klar, andere nicht zu kritisieren, sie anzuklagen, zu verurteilen oder zur Veränderung zwingen zu wollen. Vielmehr sollen in uns und unter uns Liebe und Wahrheit herrschen. Dann werden wir frei von unserem Ego und können andere lieben und ihnen dienen.

 

Aus welchem Grund ist das Richten anderer nicht nur unschön, sondern äußerst gefährlich? Jesus sagt:

Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet. Denn nach welchem Recht ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden; und mit welchem Maß ihr messt, wird euch zugemessen werden."

 

Das Richten anderer ist wie das Werfen eines Bumerangs. Er kommt zurück und trifft dich selbst. Und es ist nicht irgendein Gericht, das dich trifft, sondern Gottes Gericht. Und Gott wendet dasselbe Maß bei uns an, das wir anderen zumessen.

Aber: Wäre Gott immer genauso richtend zu uns, wie wir zu den anderen, wären wir immer gerichtet. Wie leben also nicht aufgrund des göttlichen Gerichts, sondern aufgrund der göttlichen Gnade. Das muss uns bewusst sein. Wir dürfen Teil des Himmelsreichs sein und Teil dieser Gemeinde, weil Gott gnädig zu uns ist.

 

Das Richten anderer ist also unheimlich gefährlich, denn es ist ein Verhängnis für uns selbst. Wie und warum kommt es dennoch so oft vor, dass wir andere Menschen entweder im Herzen oder lautstark richten?

 

Jesus sagt weiter: „Warum siehst du aber den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht ? Oder wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt, ich will dir den Splitter aus deinem Auge ziehen! – und siehe, ein Balken ist in deinem Auge?“

 

Der Unterschied zwischen "Splitter" und "Balken" ist gravierend.

Ein Splitter kann sehr klein sein und unter der Haut verschwinden, während ein Balken enorme Größe und Gewicht vorweisen kann. Wer einen Splitter im Auge hat (das klingt zwar sehr schmerzhaft), hat ein relativ kleines Problem, denn er kann noch relativ viel sehen. Wer aber einen Balken im Auge hat, der hat wirklich ein Problem, ein großes und schweres sogar. Er kann wirklich nichts mehr erkennen, er ist blind. Doch das Skurrile an uns "Balkenträgern" ist, dass wir den eigenen Balken nicht sehen, dafür aber den kleinen Splitter im Auge des Anderen suchen, finden und anrechnen.

 

Es ist so leicht, den Anderen zu kritisieren. Oder sogar, ihn zum Übel schlechthin zu erklären. Leider haben Menschen das immer wieder getan und sich dabei im Recht gefühlt, zu richten und sogar zu töten. Die Geschichte der Religionen und die Geschichte der Völker enthalten davon viele schlimme Beispiele.

 

Jesus meint wohl, dass wir den kleinen Anfängen entgegenarbeiten sollen, damit dem Anderen keine Gewalt angetan wird. Deshalb macht er uns auf unsere Neigung aufmerksam, den kleinsten Fehler bei anderen zu entdecken, während wir den gleichen Fehler bei uns übersehen. Es ist Heuchelei zu meinen, wir könnten jemandem bei einem Fehler helfen, wenn wir selbst einen noch größeren Fehler haben. Wir müssen unsere eigenen Fehler beseitigen, ehe wir sie an anderen kritisieren können.

 

Das Wort Gottes soll die Wahrheit ans Licht bringen. Alle Splitter und Balken sollen offenbart und beseitigt werden. Aber nicht im Auge des Anderen, sondern in meinem eigenen Auge. Ich soll mich selbst erkennen und heilen lassen. Dann fällt es mir „wie Balken von den Augen“ und endlich kann ich klar sehen und bezeugen: "Mein Gott, was bin ich bloß für ein Mensch gewesen!“

 

Danken wir für Jesu wegweisende Worte. Er lehrt uns den wahrhaftigen Umgang mit allen Arten von Menschen, Glaubensgeschwistern und Ablehnern. Möge er uns zum Segen für viele andere Menschen machen. Alleluia!

 

Wir beten:

Jesus Christus, unser Herr!

Nimm uns mit auf deinem Weg. Mach unser Herz und unseren Verstand neu. Die Liebe soll unser Tun bestimmen und Güte uns umgeben. Wir möchten, soweit es geht, mit allen Menschen in Frieden leben. Sei uns dabei Helfer und Begleiter!

 

Wir bekennen, wie viel Gewalt anderen angetan wurde, weil sie ungerecht beurteilt, bewertet und gerichtet wurden. Hilf uns, die Anfänge zu erkennen und ihnen mutig entgegen zu wirken. Wir wollen eintreten für die Würde von jedem Kind, jedem Mann und jeder Frau. Sei uns dabei Helfer und Begleiter!

 

Durch deine Auferstehung wird die neue Schöpfung sichtbar. Leben entsteht aus dem Tod, Liebe besiegt den Hass und Vergebung ist der neue Grund unseres Lebens. Als neue Menschen möchten wir auch die Tiere und Pflanzen, die Erde und das Meer und die ganze Vielfalt der Natur achten. Alles Leben hat Grund zum Jubeln und wir wollen mit einstimmen. Amen.

EG 666 Selig seid ihr

Fürbittengebet und Vater Unser

Heiliger, ewiger Gott. Du lässt uns das Leiden deines lieben Sohnes zu unserem Heil verkündigen. Die Corona-Krise macht uns Angst. Auf der ganzen Welt werden Menschen deswegen krank. Und noch viel mehr bleiben zu Hause oder auf Abstand zueinander, um sich anzustecken mit dem neuen Virus.

Wir danken dir, dass wir in dieser Pandemie noch gesund und am Leben sind.

Heile unsere Welt. Heile unsere Körper. Stärke unsere Herzen und Sinne. Und in der Mitte des Aufruhrs gib uns Hoffnung und Frieden.

Ich bitte dich: Steh uns bei in dieser Situation. Sei bei den Kranken und den Risikopatienten und bei allen, die sich um sich kümmern.

Hilf uns, gelassen zu bleiben. Hilf uns Solidarität zu zeigen mit denjenigen, die wir jetzt besonders schützen müssen.

Guter Gott, lass diese Corona-Krise bald vorübergehen.

Und schenk uns jetzt Mut und Zuversicht

Wir bitten dich für alle Kranken im Dritten Welt, um Beistand und Trost.

Für alle, die jetzt einsam sind, bitten wir um Geborgenheit.

Für die, die wir jetzt nicht besuchen können, dass sie behütet bleiben.

Für alle, die sich um Kranke kümmern, gib ihnen Kraft für ihren Dienst und bewahre sie vor Ansteckung. Wir bitten für die Armen und Geflüchteten auf der Welt, dass die Hilfe sie erreicht.

 

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen

Segen

Geht euren Weg mit österlichem Jubel auf den Lippen.

Gott hat euch neu geschaffen.

Es segne und behüte euch der lebendige und barmherzige Gott,

der Vater, der Sohn und die Heilige Geistkraft. Amen.

Präludium e-Moll (Nikolaus Bruhns)

Kollekte

Wie auch sonst im Gottesdienst üblich, sammeln wir Geld für die, die unsere Hilfe brauchen. Unter www.kollekte-online.de ist es möglich, etwas zu geben.

Das Angebot wurde von der Westfälischen Landeskirche eingerichtet. Es wird immer für den am jweiligen Sonn- oder Feiertag vorgesehenen Kollektenzweck gesammelt.

Kollekten für die Diakonie in unserer Gemeinde sind derzeit nur über Spenden möglich, die in die Briefkästen der Gemeindebüros geworfen werden können.

Gottesdienst per Post

Wenn Sie möchten, schicken wir Ihnen die schriftlichen Gottesdienste auch per Post.

Dazu brauchen wir nur Ihren Name und Ihre Anschrift, die Sie den Gemeindebüros oder den Pfarrerinnen mitteilen können.

Kontakt