Gottesdienst für Zuhause

Liebe Gemeinde,

da derzeit aufgrund der Coronakrise keine Gottesdienste stattfinden, laden wir Sie ein, von zuhause einen Gottesdienst mitzufeiern.

Wie gewohnt läuten in Lünen-Süd um 09.30 Uhr und in Hormstmar um 11 Uhr die Glocken und rufen uns zum Gottesdienst. Wir vertrauen darauf, dass wir als Christinnen und Christen untereinander verbunden sind durch Gottes Geist und im Gebet.

Vielleicht haben Sie die Möglichkeit, eine Kerze anzuzünden, während Sie den schriftlichen Gottesdienst lesen, und es sich irgendwo bequem zu machen.

Gottesdienst für den 10. Mai 2020 - Kantate

von Pfarrerin Katrin Stückrath, Kantor Wilfried Gunia mit Solist Dominik Möller und Mitgliedern des Posaunenchor Preußen unter der Leitung von Gundula Hubig

Tut mir auf die schöne Pforte (eG 166)

Im Namen Gottes.
Er ist der Grundton unseres Lebens.

Im Namen Jesu Christi.
Er brachte die Melodie der Liebe neu in die Welt.

Im Namen der Heiligen Geistkraft.
Sie macht den Dreiklang perfekt.


Begrüßung

Kantate, das bedeutet „Singet!“. Es ist das lateinische Anfangswort von Psalm 98: „Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.“ Mit dem gemeinsamen Singen ist es in Corona-Zeiten aber eine schwierige Sache. Ich freue mich, dass Dominik Möller für uns auf Aufnahmen mit Kantor Wilfried Gunia singt. Außerdem haben sich Bläser des Posaunenchores extra zu Aufnahmen ihrer Lieblingschoräle getroffen. Singen Sie zu Hause gerne bei den Liedern mit.

Wochenpsalm 98

Singet dem Herrn ein neues Lied,

denn er tut Wunder. Er schafft Heil mit seiner Rechten und mit seinem heiligen Arm.

Der Herr lässt sein Heil verkündigen;

vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar.

Er gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel,

aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.

Jauchzet dem Herrn, alle Welt,

singet, rühmet und lobet!

Lobet den Herrn mit Harfen,

mit Harfen und mit Saitenspiel!

Mit Trompeten und Posaunen

jauchzet vor dem Herrn, dem König!

Das Meer brause und was darinnen ist,

der Erdkreis und die darauf wohnen.

Die Ströme sollen in die Hände klatschen,

und alle Berge seien fröhlich

vor dem Herrn; denn er kommt, das Erdreich zu richten.

Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit und die Völker, wie es recht ist.

(Luther-Bibel, Deutsche Bibelgesellschaft 2017)

Predigt zum Text aus dem 2.Chronikbuch 5,2-5 und 12-14

Gottesdienst feiern am heiligen Ort, liebe Gemeinde! Dieser Gedanke hat in den letzten Wochen, wo unsere Kirchen geschlossen gehalten werden mussten, eine ganz neue Bedeutung bekommen. Ich sehne mich danach, wieder in unseren schönen Kirchen zu sein. Ich vermisse das Zusammenkommen, die Psalmen und Gebete, die Lieder, die Orgelklänge und die Bibeltexte.

Auch die Israeliten bemerkten an einem Punkt ihrer Geschichte, dass ihnen etwas fehlte. Deshalb hat König Salomo den ersten Tempel für Gott in Jerusalem bauen lassen. Dorthin werden nun die heiligen Dinge gebracht, die das Volk Israel bei der Wüstenwanderung begleitet haben: die Bundeslade mit den Steintafeln der 10 Gebote und die Stiftshütte (das Zelt, in dem Mose mit Gott sprach). Es ist ein gewaltiges Fest, wie wir im 2. Chronikbuch, im 5. Kapitel lesen:

2 Da versammelte Salomo alle Ältesten Israels, alle Häupter der Stämme und die Fürsten der Sippen Israels in Jerusalem, damit sie die Lade des Bundes des HErrn hinaufbrächten aus der Stadt Davids, das ist Zion.

3 Und es versammelten sich beim König alle Männer Israels zum Fest, das im siebenten Monat ist.

4 Und es kamen alle Ältesten Israels, und die Leviten hoben die Lade auf  

5 und brachten sie hinauf samt der Stiftshütte und allem heiligen Gerät, das in der Stiftshütte war; es brachten sie hinauf die Priester und Leviten.

(…)

12 und alle Leviten, die Sänger waren, nämlich Asaf, Heman und Jedutun und ihre Söhne und Brüder, angetan mit feinem Leinen, standen östlich vom Altar mit Zimbeln, Psaltern und Harfen und bei ihnen hundertzwanzig Priester, die mit Trompeten bliesen.

13 Und es war, als wäre es einer, der trompetete und sänge, als hörte man eine Stimme loben und danken dem HErrn. Und als sich die Stimme der Trompeten, Zimbeln und Saitenspiele erhob und man den Herrn lobte: »Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig«, da wurde das Haus erfüllt mit einer Wolke, das Haus des Herrn,

14 sodass die Priester nicht zum Dienst hinzutreten konnten wegen der Wolke; denn die Herrlichkeit des HErrn erfüllte das Haus Gottes.

 

Was muss das für ein Erlebnis gewesen sein! Ich bin schon selig, wenn an Festtagen unser Posaunenchor mit 25 Mitgliedern spielt – wie müssen erst 120 Trompeten klingen! Und dazu noch Saiteninstrumente (Gitarrenchor!) und Zimbeln, das sind kleine bronzene Becken, die aneinander geschlagen werden. Es wird natürlich auch gesungen! Die berühmten Chorleiter und Lieddichter Asaf, Heman und Jedutun dirigieren die Menge. Ihre Namen werden an vielen Stellen im Buch der Psalmen erwähnt.

„Feiert ihr denn jetzt auch wieder Gottesdienst?“ werde ich jetzt öfters gefragt. Dann zögere ich. Denn es ist kompliziert. Wie gewohnt Gottesdienste zu feiern, geht nicht. Wir müssen erst ein Konzept genehmigen lassen, wie wir in den Kirchen sicher stellen, dass sich niemand ansteckt. Dazu braucht es Abstandsregeln in den Sitzreihen, Masken, Desinfektionsmittel und Anwesenheitslisten. Dabei bleibt wohl das Gemeinschaftsgefühl auf der Strecke. Und ohne Gesang kann ich mir Gottesdienst auch nicht recht vorstellen. Bei der Tempeleinweihung bewirkte doch der Gesang, dass das Gotteshaus von Gottes Herrlichkeit erfüllt wurde. Alle Stimmen und Instrumente klangen wie eine Stimme. Damit ist keine Eintönigkeit gemeint, sondern Einstimmigkeit beim Lob für den einen Gott, der sich mit seinem Eigennamen dem Volk Israel zuerkennen gab: „Ich bin da.“ Dieser Eigenname steht auch hier überall im Text, wo Luther „HErr“ übersetzte. Es ist der Gott, der mitgewandert ist aus Ägypten. Er wies dem Volk den Weg, nachts in der Feuersäule und tagsüber als Wolke. Und diese Wolke zeigt sich nun auch wieder im Tempel: Gott ist da.

Es ist alles so schön! Und jetzt kommt der Clou: Als dieser Bericht des zweiten Chronikbuches geschrieben wurde, da gab es den Tempel Salomos nicht mehr. Er war von den Babyloniern in Ruinen gelegt worden. Die Verfasser der Chronikbücher denken darüber nach, wie diese Katastrophe passieren konnte. Sie forsten die ganze Geschichte Israels mit Gott noch einmal durch. Sie übernehmen viele Berichte wörtlich aus den Königsbüchern. Auch die Einweihung des Tempels unter Salomo übernehmen sie aus 1.Könige 8. Aber sie wiederholen sie nicht einfach, sondern bauen entscheidende neue Denkanstöße ein. Sie schreiben unsere Verse 12-14, die von der Beteiligung der Leviten bei der Einweihung handeln, erstmals auf. Damit unterstreichen sie die Bedeutung der Musik beim Gottesdienst in eindrucksvoller Weise. Und noch etwas: Sie machen das Gemeinschaftsgefühl stark, in dem sie die Rolle der Leviten beim Tempeldienst betonen. Die Leviten waren Türhüter, Sänger, Musiker und sorgten für die Öffnung des Tempels für das Volk und für die Beteiligung beim Gottesdienst. Die Autoren der Chronikbücher dachten wohl: „So sollte ein Tempel funktionieren!“ Und hielten ihre Vision in einem Bericht fest, damit das zukünftig berücksichtigt würde. Sie wollten keinen Tempel mehr, wo ausschließlich Opfer dargebracht werden von Priestern.

Es ist eine ganz alte Weisheit, dass man immer das vermisst, was man nicht mehr hat. Erst dann erkennt man es schärfer, erfasst die Bedeutung und schätzt es mehr. Diese Situation haben wir mit den Verfassern der Chronikbücher gemeinsam. Daraus folgt aber nicht, dass wir jetzt alle nichts haben und nur im Verlust leben. Wir haben genau wie die Chronikbücher die Erinnerung an sehr schöne Gottesdienste. Wir haben den tiefsinnigen Predigttext aus der Bibel. Er gibt uns Denkanstöße auch für unsere zukünftigen Gottesdienste. Vielleicht sind Musik und Gemeinschaft wirklich das Wichtigste, damit Gottes Herrlichkeit in unseren Kirchen zu spüren ist. Wir könnten das mehr berücksichtigen.

Und zum Glück ist Gott ja nicht nur in Gotteshäusern zu spüren. „Gott hat uns aus der Knechtschaft in Ägypten herausgeführt“, ist in Kurzform das Glaubensbekenntnis der Juden. Ihr Symbol der Befreiung wurde die Bundeslade mit den zwei Steintafeln, auf die Mose die 10 Gebote schrieb. Sie trugen sie mit sich mit. In Salomos Tempel bekam sie ihren Platz im Allerheiligsten, einem Raum, der nur am großen Versöhnungstag betreten wurde. Als die Babylonier den Tempel zerstörten, kam die Bundeslade abhanden. In vielen Legenden, Kriminalromanen und Filmen wurde seither ausgedacht, wohin sie wohl verschwunden ist. Sie bleibt verschollen, aber nicht ihr Inhalt: Jeder Konfirmand und jede Konfirmandin lernt ihn auswendig, die 10 Gebote. Es sind die Grundregeln Gottes für uns Menschen, damit wir in Freiheit und nicht in Knechtschaft leben können. Jedes Gebot schützt die Freiheit des anderen Menschen. Sie zu achten, ist uns von Gott aufgegeben.

Es macht zur Zeit Sinn, auf Gottesdienste als Gemeinschaftserlebnis zu verzichten.  Wir achten damit das Gebot „Du sollst nicht töten.“ Mit einer beeindruckend großen Weltgesellschaft gemeinsam versuchen wir, die Schwachen nicht der Krankheit preis zu geben. Wir setzen nicht auf das Recht der Jungen und Starken. Wir verzichten eine Weile zugunsten von Menschenleben. Ganz vorsichtig tasten wir uns an die Möglichkeiten heran, unsere Kirche wieder aufzumachen. Das ist die Erfüllung der 10 Gebote in der jetzigen Situation. Und darin ist uns Gott nahe. Er ist der „Ich bin da.“ und geht weiter mit uns mit. Amen.

In dir ist Freude (eG 398)

Fürbittengebet und Vater Unser

Treuer Gott,
wir danken dir für allen Trost, den wir gerade durch die Musik erleben.
Danke, dass du uns selbst auf diese Weise begegnest.

Stelle uns weiterhin Menschen zur Seite, denen es Freude macht, für uns zu Musizieren und uns zum Singen und Tanzen anzuregen.

Nimm uns nicht übel, wenn uns das Loben mit lautem Hals schwerfällt.
Uns bedrücken die Einschränkungen, die viele Kinder, Erwachsene und alte Menschen in eine Situation von Einsamkeit, Hilflosigkeit und Gefahr bringen. Hilf uns Wege zu finden, sie nicht allein zu lassen.

Sei mit deinem guten Geist bei den Kranken.

Gib offene Hände, um den Armen dieser Welt beizustehen, deren Leben so verwundbar ist.
Verhilf uns allen zur Einsicht, dass Solidarität und vorausschauendes Handeln für die Zukunft das Gebot der Stunde ist.

 

Wir legen in das Gebet von Jesus, was wir noch auf dem Herzen haben:

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen

Geh, getragen von Gottes weitem Atem.

Lass dich erfüllen von himmlischen Klängen.

Du sollst ein Segen ein.

 

Gott segne dich und behüte dich.

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Gott erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden.

Kollekte

Wie auch sonst im Gottesdienst üblich, sammeln wir Geld für die, die unsere Hilfe brauchen. Unter www.kollekte-online.de ist es möglich, etwas zu geben.

Das Angebot wurde von der Westfälischen Landeskirche eingerichtet. Es wird immer für den am jweiligen Sonn- oder Feiertag vorgesehenen Kollektenzweck gesammelt.

Kollekten für die Diakonie in unserer Gemeinde sind derzeit nur über Spenden möglich, die in die Briefkästen der Gemeindebüros geworfen werden können.

Gottesdienst per Post

Wenn Sie möchten, schicken wir Ihnen die schriftlichen Gottesdienste auch per Post.

Dazu brauchen wir nur Ihren Name und Ihre Anschrift, die Sie den Gemeindebüros oder den Pfarrerinnen mitteilen können.

Kontakt

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