Gottesdienst für Zuhause

Liebe Gemeinde,

erst am 24.5. feiern wir wieder Gottesdienst. Für diesen Sonntag laden wir Sie noch einmal ein, von zuhause einen Gottesdienst mitzufeiern.

Wie gewohnt läuten in Lünen-Süd um 09.30 Uhr und in Horstmar um 11 Uhr die Glocken und rufen uns zum Gottesdienst. Wir vertrauen darauf, dass wir als Christinnen und Christen untereinander verbunden sind durch Gottes Geist und im Gebet.

Vielleicht haben Sie die Möglichkeit, eine Kerze anzuzünden, während Sie den schriftlichen Gottesdienst lesen, und es sich irgendwo bequem zu machen.

Gottesdienst für den 17. Mai 2020 - Rogate

von Prädikantin Sabine Achilles, Albrecht Achilles (Violine) und Kantor Wilfried Gunia (Orgel)

Georg Philipp Telemann: Largo aus der Fantasie B-Dur Twv 40:14 für Violine solo

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
   Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
   der Himmel und Erde gemacht hat.

Begrüßung

„Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.“ Mit dem Wochenspruch aus Psalm 66 begrüße ich Sie, liebe Leserinnen und Leser, ganz herzlich am Sonntag Rogate, zu deutsch: „betet“.

Psalm 95,1-7

Kommt herzu, lasst uns dem HERRN frohlocken
und jauchzen dem Hort unsres Heils!

   Lasst uns mit Danken vor sein Angesicht kommen
   und mit Psalmen ihm jauchzen!

Denn der HERR ist ein großer Gott
und ein großer König über alle Götter.

   Denn in seiner Hand sind die Tiefen der Erde,
   und die Höhen der Berge sind auch sein.

Denn sein ist das Meer, und er hat's gemacht,
und seine Hände haben das Trockene bereitet.

   Kommt, lasst uns anbeten und knien
   und niederfallen vor dem HERRN, der uns gemacht hat.

Denn er ist unser Gott
und wir das Volk seiner Weide und Schafe seiner Hand.

 

(Lutherbibel, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)

Predigt zu Matthäus 6,5-15

Betet! So heißt dieser Sonntag: Rogate! In einem Gottesdienst wird viel gebetet, nur haben diese schon seit Wochen nicht mehr stattfinden können – zum Glück ist ein Ende in Sicht, denn unser Schutzkonzept ist erarbeitet und liegt zur Genehmigung vor. Aber jeden Tag läuten (noch) um 19.30 Uhr für 5 Minuten die Kirchenglocken und laden ein für einen Moment innezuhalten, um ein Gebet und ein Vater Unser zu sprechen.  Wahrscheinlich hat sich die eine oder der andere von Ihnen ebenfalls die Fragen gestellt: Reicht es aus, so zu Hause zu beten? Oder: wie sollen wir eigentlich beten?

Mit diesen Fragen sind wahrscheinlich auch die Jünger an Jesus herangetreten. Vielleicht kam einer von ihnen zu ihm, nachdem Jesus in Zurückgezogenheit gebetet hat, und hat ihn gefragt: „Meister, wie sollen wir denn beten? Mit welchen Worten? An welchen Orten?“

Jesu  Antwort ist heute unser Predigttext:

Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, um sich vor den Leuten zu zeigen. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt.

Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten.

Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen.

Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet.

Darum sollt ihr so beten:

Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt.

Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. [Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.]

Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben.

Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.

(Lutherbibel, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)

 

Liebe Gemeinde,

Das Vater Unser, die altvertrauten Worte, sind Teil der Bergpredigt.  Auch die Seligpreisungen, das Gebot der Feindesliebe sowie die „Goldene Regel“ gehören dazu.  Matthäus zu Folge hat Jesus sie auf einem Berg gehalten.

In der Einleitung zum Vater Unser grenzt Jesus sich gegen die Heuchler ab, die viele Worte machen und meinen, so Erhörung zu finden. Er hingegen verkürzt das Beten auf ein reines kurzes Bittgebet. Die Gliederung dieses Gebets ist einfach: Die ersten drei Bitten richten sich direkt an Gott, vier weitere Bitten bringen die Situation der Menschen zur Sprache  – und das in aller Kürze.

 

Die Anrede:  Vater unser im Himmel

Vater unser im Himmel. Was für eine Botschaft gleich zu Beginn in der Anrede! Jesus spricht Gott als Vater an, aber er sagt nicht: mein Vater, sondern Vater unser .

Auch wir dürfen Gott als unseren Vater anreden. Gott wird zum Du. Und es ist doch etwas Anderes, ob wir über einen Menschen reden, oder ob wir mit einem Menschen reden. Genauso ist es auch etwas Anderes, ob über mich geredet wird, oder mit mir geredet wird. Und es ist etwas ganz Anderes, ob wir über Gott reden, oder ob wir mit Gott reden. Gott wird zum Du! Das bedeutet für mich, er kommt mir nah. Da ist einer, der auf mich aufpasst, wie ein Vater auf sein Kind, oder wie eine Mutter auf ihr Kind! Da ist einer,  an den ich mich jederzeit wenden kann, so wie ein Kind idealerweise zu seinem Vater oder zu seiner Mutter geht, wenn es Sorgen hat oder einen Rat benötigt, oder auch: wenn es sich mitteilen möchte oder seine Freude nicht für sich behalten kann.

 

Die erste Bitte:  Geheiligt werde dein Name.
Martin Luther schreibt dazu in seinem Kleinen Katechismus: „Gottes Name ist zwar an sich selbst heilig; aber wir bitten in diesem Gebet, dass er auch bei uns heilig werde.“

Wir bitten Gott bei allen Bitten, etwas zu tun, was wir von uns aus nicht können, denn wenn wir es könnten, müssten wir ihn nicht bitten. Nach Luther wird Gottes Name geheiligt: „Wo das Wort Gottes lauter und rein gelehrt wird und wir auch heilig, als die Kinder Gottes, danach leben. Dazu hilf uns, lieber Vater im Himmel! Wer aber anders lehrt und lebt, als das Wort Gottes lehrt, der entheiligt unter uns den Namen Gottes.“

Ist das ein Widerspruch zur Anrede? Dort: Nähe – jetzt: Distanz? Ich empfinde es nicht so. Denn Gottes Nähe ist mehr als eine menschliche Nähe, nämlich die göttliche Nähe. Und die ist für uns eben nicht begreifbar und unfassbar.

 

Die zweite Bitte:  Dein Reich komme.

Martin Luther schreibt dazu: „Gottes Reich kommt auch ohne unser Gebet von selbst, aber wir bitten in diesem Gebet, dass es auch zu uns komme.“
Weil Gott die Welt ins Leben gerufen hat und erhält, weil er sie liebt, ist es sein ureigenstes Anliegen, seinen Willen in dieser Welt zur Geltung zu bringen. Und es ist vermessen, zu meinen, er bräuchte uns Menschen, um seinem Reich auf Erden zum Sieg zu verhelfen. All die gescheiterten Versuche allein im 20. Jahrhundert zeigen es sehr deutlich:

Ausgangspunkt des ersten Versuchs war die russische Oktoberrevolution. Unter Lenins Motto: „Der Zweck heiligt die Mittel“ hatten er und seine Anhänger versucht, die klassenlose Gesellschaft zu schaffen.

Der zweite Versuch, ganz anders geartet, war das sog. Dritte Reich. Die unvorstellbaren Verbrechen und das unermessliche Leid des Zweiten Weltkrieges lassen mich jedoch nicht verstehen, warum Macron und Trump ihre Länder angesichts der Corona-Krise  bereits mittendrin „im Krieg“ wähnen.

Und dann ist da noch der US-amerikanische Traum: mit dem neuen Präsidenten werden wir es schaffen. Endlich Frieden und Gerechtigkeit für alle – wenigstens laut Trump für alle US-amerikanischen Staatsangehörigen …

Luther erteilt all diesen Versuchen, das Reich Gottes mit politischen Ideen, mit militärischer Gewalt oder mit Hilfe eines Wirtschaftsprogramms zu errichten, eine unaufgeregte Absage.

Er ist vielmehr überzeugt, dass  jeder von uns Anteil an diesem Reich bekommen soll. Das Reich Gottes kommt uns genauso nah, wie Gott in der Anrede. Und wie geschieht das? Nach Luther: „Wenn der himmlische Vater uns seinen Heiligen Geist gibt, dass wir seinem heiligen Wort durch seine Gnade glauben und danach leben, hier zeitlich und dort ewiglich.

 

Die dritte Bitte:  Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Ist diese Bitte so zu verstehen: Nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe? Also als Ergebenheit in das Unveränderbare? Obwohl doch der, der dieses Gebet uns gelehrt hat, nach dem Willen der Kranken fragt: „Was willst du, das ich dir tun soll?“ Es liegt auf der Hand, dass die Kranken, die sich an Jesus wenden, gesund werden wollen. Aber er möchte es aus ihrem eigenen Mund hören.

Nicht nur den Kranken soll geholfen werden, denn Gott will, dass allen Menschen geholfen werde. So steht es im ersten Brief an Timotheus. Gottes Wille ist der Wille seiner Liebe, mit dem er will, dass Menschen heil werden an Leib und Seele. Aber es ist eine kindische Vorstellung, dass alles, was geschieht, Gottes Wille sei. Denn Gott hat uns Menschen, die er erschaffen hat, in Freiheit entlassen – auch in die Freiheit, uns für das Falsche zu entscheiden und es umzusetzen, mit allen Konsequenzen.

Luther Erklärung zu dieser Bitte: „Gottes Wille geschieht auch ohne unser Gebet.“ Und trotzdem ist unser Gebet nicht unnütz, denn im Gebet bitten wir darum, dass sein Wille auch in unserem Leben geschieht. Indem wir beten, lassen wir uns in den Wirkungsbereich Gottes hinein ziehen. Wir setzen uns der Liebe Gottes aus, der auch ohne uns liebt. Wir lassen jedoch die Liebe durch unser Gebet in unser Leben hinein.

Wenn wir das Vater Unser beten, bitten wir Gott nicht um irgend etwas, was uns gerade beschäftigt. Sondern wir sprechen aus, was Gottvertrauen im alltäglichen Leben bedeuten kann. Es handelt sich um einen Rahmen, den wir selbst mit unserer eigenen Existenz ausfüllen.
Über allem aber steht die Überzeugung: Gott weiß immer zuvor schon, was mich bewegt:

„Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet.“

Amen

Vater Unser (Frank Martin)

Fürbittengebet und Vater Unser

Vater,

zu dir darf ich kommen mit meinem Gebet und dir alles anvertrauen, was mich bewegt.

Vor dich bringe ich alle Menschen, die weltweit am Corona-Virus erkrankt sind, die daran Verstorbenen und all die Menschen, die unter den vielfältigen Folgewirkungen der Pandemie leiden.

Hilf den Politikern, einen klaren Kopf zu bewahren, um angemessene und vernünftige Lösungen zu finden, denn Verschwörungstheorien breiten sich sehr schnell aus und rechte Gruppen versuchen, ihre Strategie aus Flüchtlingskrise und Klimadebatte auf die Corona- Krise zu übertragen.

Meine Anliegen, Sorgen und Fragen lege ich in der Stille vertrauensvoll vor dir ab.

 

 

Und bete mit allen Christinnen und Christen das Gebet, das Jesus uns gegeben hat:

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen

Segen

Der HERR segne dich und behüte dich;
der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.
Amen

Johann Sebastian Bach: Sarabande aus der Partita II d-Moll, BWV 1004 für Violine solo

Kollekte

Wie auch sonst im Gottesdienst üblich, sammeln wir Geld für die, die unsere Hilfe brauchen. Unter www.kollekte-online.de ist es möglich, etwas zu geben.

Das Angebot wurde von der Westfälischen Landeskirche eingerichtet. Es wird immer für den am jweiligen Sonn- oder Feiertag vorgesehenen Kollektenzweck gesammelt.

Kollekten für die Diakonie in unserer Gemeinde sind derzeit nur über Spenden möglich, die in die Briefkästen der Gemeindebüros geworfen werden können.