Gottesdienst für Zuhause

Liebe Gemeinde,

da derzeit aufgrund der Coronakrise keine Gottesdienste stattfinden, laden wir Sie ein, von zuhause einen Gottesdienst mitzufeiern.

Wie gewohnt läuten in Lünen-Süd um 09.30 Uhr und in Hormstmar um 11 Uhr die Glocken und rufen uns zum Gottesdienst. Wir vertrauen darauf, dass wir als Christinnen und Christen untereinander verbunden sind durch Gottes Geist und im Gebet.

Vielleicht haben Sie die Möglichkeit, eine Kerze anzuzünden, während Sie den schriftlichen Gottesdienst lesen, und es sich irgendwo bequem zu machen.

Gottesdienst für den 19. April 2020 - Erster Sonntag nach Ostern: Quasimodogeniti

von Prädikantin Hannelore Klusmann

Im Namen Gottes,
des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat.

Wochenpsalm 116

Ich liebe den Herrn,

denn er hört die Stimme meines Flehens.

Er neigte sein Ohr zu mir;

darum will ich mein Leben lang ihn anrufen.

Stricke des Todes hatten mich umfangen,

des Totenreiches Schrecken hatten mich getroffen;

ich kam in Jammer und Not.

Aber ich rief an den Namen des Herrn:

Ach, Herr, errette mich!

Der Herr ist gnädig und gerecht,

und unser Gott ist barmherzig.

Der Herr behütet die Unmündigen;

Wenn ich schwach bin, so hilft er mir.

 

Lutherbibel, revidierter Text 1984, durchgesehene Ausgabe, © 1999 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

EG 398 "In dir ist Freude"

an der Orgel gespielt von Wilfried Gunia

Predigt

Liebe Gemeinde,

es ist gar nicht so einfach, sich in diesen nachösterlichen Tagen auf den Weg zu machen – mal eben kurz einkaufen (ach nein, das lohnt sich noch nicht, das Risiko sich oder andere anzustecken ist zu groß, ) – mal eben spazieren gehen (gerne, aber nicht dort, wo alle hergehen) – es gibt so viele Wenn und Aber-Gedanken.

Meine Gedanken gehen zurück zu einer alten neutestamentlichen Geschichte: Da machen sich 2 Männer auf den Weg von Jerusalem nach Emmaus. Sie gehen verhaltenen Schrittes – Jerusalem liegt hinter ihnen, davon gibt es Schreckliches zu berichten: Jesus, der Rabbi, der Lehrer, ist tot. Nein, das steckt ihnen in den Knochen – da kann man nicht fröhlich ausschreiten einem neuen Ziel entgegen.

Aber mich bewegt immer bei dieser Geschichte der Emmaus-Jünger ein Gedanke: Warum machen sie sich eigentlich überhaupt auf den Weg? Zugegeben, das Dorf Emmaus liegt nur zwei Wegstunden von Jerusalem entfernt (so kann man es nachlesen im Lukasevangelium, im 24. Kapitel) aber nach allem, was sie erlebt haben, frage ich mich, ist dieser Fußmarsch unbedingt nötig?  Besser wär es doch, sie blieben zu Hause, so wie viele auch heute nach einem schmerzlichen Todesfall in der Familie oder in der Freundschaft erst einmal zu Hause bleiben. Wer hat da gleich Lust auf eine lange Wanderschaft?

Die beiden Männer gehen nicht stumm nebeneinander her, nein „sie redeten miteinander von all diesen Geschichten.“ Gedankenaustausch – Mitteilen, was einem auf dem Herzen liegt – nicht allein bleiben gerade in diesen Zeiten, so denke ich, das ist gut und das haben die beiden sicher auch gebraucht: sich austauschen über Vergangenes, immer noch einmal erzählen, was einem auf der Seele brennt. Heute greifen wir hoffentlich zum Telefon, schreiben vielleicht eine WhatsApp – erinnern uns an die, die zur Zeit alleine zu Hause sein müssen oder zwangsweise im Seniorenheim abgeschnitten von ihren Angehörigen – Reden, Gedankenaustausch nach schweren Ereignissen kann helfen gegen Depressionen und kann befreien von Ängsten.

Meine Gedanken gehen noch einmal zu diesen beiden Männern – offensichtlich haben sie Jesus gut gekannt, aber sie waren sicher auch fest verwurzelt in der jüdischen Tradition, kannten die Urvätergeschichten und erinnerten sich auch an die Verheißungen der Propheten.

Gewiss kannten sie auch den Zuspruch des Propheten Jesaja an das Volk Israel, Predigttext für den heutigen Sonntag.

Jesaja 40, 27-31

Ihr Israeliten, Nachkommen Jakobs, warum klagt ihr: „Der Herr kümmert sich nicht um uns; unser Gott lässt es zu, dass uns Unrecht geschieht“? Habt ihr denn nicht gehört? Habt ihr nicht begriffen? Der Herr, unser Gott, hat die ganze Erde geschaffen, und er regiert sie für alle Zeiten. Er wird nicht müde, seine Kraft lässt nicht nach; seine Weisheit ist tief und unerschöpflich. Er gibt den Müden Kraft und die Schwachen macht er stark. Selbst junge Leute werden kraftlos, die Stärksten erlahmen.

Aber alle, die auf den Herrn vertrauen, bekommen immer wieder neue Kraft, es wachsen ihnen Flügel wie dem Adler. Sie gehen und werden nicht müde, sie laufen und brechen nicht zusammen.

Gute Nachricht Bibel, durchgesehene Neuausgabe, © 2018 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

„Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden – so hat es Martin Luther übertragen und so haben wir es oft gehört als Taufspruch, Geleitwort bei der Eheschließung oder nach dem Abendmahl. Mich hat dieses Jesajawort immer wieder angeschubst, nicht aufzugeben, weiter zu machen und jetzt in diesen Zeiten ist es mir noch einmal besonders wichtig. Wenn die Isolation einen lähmt, man sich sehnt nach der Sonntagsgemeinde, den Chormitgliedern, dem gemeinsamen Musizieren, nach der Familie, der Sportgruppe… all das fehlt, wir aber dürfen darauf vertrauen, dass Gott uns so viel Geduld und Kraft gibt, dass wir nicht versinken, sondern neue Kraft schöpfen können.

Die Emmausjünger damals erkannten den Auferstandenen in ihrer Mitte – Jesus ging mit und beim gemeinsamen Abendessen erkannten sie ihn. Er stärkte sie mit Brot und Wein für den Weg, der noch vor ihnen lag.

Diese beiden Männer kehrten wieder um nach Jerusalem und erzählten, was sie gesehen, gespürt und erlebt hatten.

Wir heute am 1. Sonntag nach Ostern können gewiss sein, auch wenn wir alleine sind, Christus ist da, sein Wort gilt: Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende (Markus 28, 20b) – und jetzt schon dieses: Ihr dürft spüren, ich stärke euch den Rücken – ich lass euch nicht allein, ich gehe mit, vertraut mir und dem  Prophetenwort:

Er gibt den Müden Kraft, und Stärke den Unvermögenden. Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden. AMEN

EG 116 - "Er ist erstanden"

an der Orgel gespielt von Wilfried Gunia

Gebet

Christus, unser Bruder und Retter,
du hast es uns versprochen:
ich bin bei euch alle Tage – darauf wollen wir in dieser besonderen Zeit vertrauen.
Dein Wort gilt uns und allen Menschen dieser Erde.

Lass uns und alle, die dich darum bitten, Deine Nähe spüren,
schicke denen, die unter ihrer Isolation leiden, Begleitung zur rechten Zeit.
Sei Du denen nahe, die sich um unser Leben sorgen
und es möglich machen, dass es uns gut geht.
Schenke du uns einen neuen Blick auf unser Leben,
gib uns gute Gedanken, das zu ändern, was für die Zukunft nötig ist.
Danke, dass es trotz allem noch vieles gibt,
wofür wir danken dürfen.

Und nun höre, wenn wir das Gebet sprechen, das du uns gelehrt hat:

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Richtet euch auf und lasst euch den Rücken stärken!
Geht getrost in die kommende Woche,
spürt den stärkenden Zuspruch unseres Gottes!

 

So segne euch der allmächtige Gott,

der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen

 

Kollekte

Wie auch sonst im Gottesdienst üblich, sammeln wir Geld für die, die unsere Hilfe brauchen. Unter www.kollekte-online.de ist es möglich, etwas zu geben.

Das Angebot wurde von der Westfälischen Landeskirche eingerichtet. Es wird immer für den am jweiligen Sonn- oder Feiertag vorgesehenen Kollektenzweck gesammelt.

Kollekten für die Diakonie in unserer Gemeinde sind derzeit nur über Spenden möglich, die in die Briefkästen der Gemeindebüros geworfen werden können.

Gottesdienst per Post

Wenn Sie möchten, schicken wir Ihnen die schriftlichen Gottesdienste auch per Post.

Dazu brauchen wir nur Ihren Name und Ihre Anschrift, die Sie den Gemeindebüros oder den Pfarrerinnen mitteilen können.

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