Gottesdienst für Zuhause

Liebe Gemeinde,

da derzeit aufgrund der Coronakrise keine Gottesdienste stattfinden, laden wir Sie ein, von zuhause einen Gottesdienst mitzufeiern.

Wie gewohnt läuten in Lünen-Süd um 09.30 Uhr und in Hormstmar um 11 Uhr die Glocken und rufen uns zum Gottesdienst. Wir vertrauen darauf, dass wir als Christinnen und Christen untereinander verbunden sind durch Gottes Geist und im Gebet.

Vielleicht haben Sie die Möglichkeit, eine Kerze anzuzünden, während Sie den schriftlichen Gottesdienst lesen, und es sich irgendwo bequem zu machen.

Gottesdienst für den 22. März 2020 - Vierter Sonntag der Passionszeit: Lätare - "Freue dich!"

von Pfarrerin Andrea Ohm

Im Namen Gottes,
des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat.

Posaunenchor - "Intrade" von G.F. Händel

Wochenpsalm 84

Wie lieblich sind deine Wohnungen, HERR Zebaoth!

Meine Seele verlangt und sehnt sich nach den Vorhöfen des HERRN;

mein Leib und Seele freuen sich in dem lebendigen Gott.

Der Vogel hat ein Haus gefunden und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen –

deine Altäre, HERR Zebaoth, mein König und mein Gott.

Wohl denen, die in deinem Hause wohnen;

die loben dich immerdar.

Wohl den Menschen, die dich für ihre Stärke halten

und von Herzen dir nachwandeln!

Wenn sie durchs dürre Tal ziehen,

wird es ihnen zum Quellgrund,

und Frühregen hüllt es in Segen.

Sie gehen von einer Kraft zur andern und

schauen den wahren Gott in Zion.

HERR, Gott Zebaoth, höre mein Gebet; vernimm es, Gott Jakobs!

Gott, unser Schild, schaue doch; sieh an das Antlitz deines Gesalbten!

Denn ein Tag in deinen Vorhöfen ist besser als sonst tausend.

Ich will lieber die Tür hüten in meines Gottes Hause als wohnen in den Zelten der Frevler.

Denn Gott der HERR ist Sonne und Schild;

der HERR gibt Gnade und Ehre.

Er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen.

HERR Zebaoth, wohl dem Menschen, der sich auf dich verlässt!

 

Lutherbibel, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Predigt

Liebe Gemeinde,

liebe Schwestern und Brüder zuhause in euren Wohnungen!

Was für eine verrückte Situation! Gestern haben wir in der Kirche in Lünen-Süd die erste Videoandacht gedreht, um Sie den Menschen über das Internet zu zeigen.

Es war für mich ein absolut befremdliches Gefühl, so alleine als Pfarrerin vor den leeren Bänken und Stühlen zu stehen und nur in die Kamera zu schauen. Auch wenn an einem normalen Sonntag die Kirche nicht voll ist, so ist es doch ein krasser Unterschied, wenn niemand da ist.

Ich vermisse die vertrauten Gesichter, die sonst sonntags normalerweise hier sitzen und auch das Gekicher der Konfirmanden.

Seit ein paar Tagen gilt in Lünen, wie überall, ein komplettes Veranstaltungsverbot. Auch Gottesdienste sind nicht mehr erlaubt.

COVID-19 hat das normale gesellschaftliche Leben lahmgelegt.

Anstatt dass wir uns draußen mit Freunden treffen, um die ersten Strahlen der Frühlingssonne zu genießen, anstatt, dass die Kinder auf den Spielplätzen toben, man sich in der Eisdiele trifft oder man mit anderen – wie gewohnt - am Preußenhafen ein Bierchen trinkt, gilt: „Bleiben Sie zuhause. Das kann Menschenleben retten. Es kommt auf jeden einzelnen an!“

So langsam scheint der Ernst der Lage bei den Menschen angekommen zu sein. Jedenfalls ist das nur zu hoffen!

Vielleicht brauchte es deshalb seine Zeit, weil wir in unsrem Land solche Bedrohung und Gefährdung nicht kennen, wir ja in unserer Gesellschaft ein sicheres und relativ gefahrloses Leben gewohnt sind, im Unterschied zu vielen anderen Menschen auf dieser Welt.

Wie geht nun jeder mit dieser neuen Situation um? Was machen Sie? Jeder versucht, irgendwie damit klarzukommen: Familien organisieren ihren Alltag neu, Kurzarbeit, Homeoffice...Bangen um die Existenz, Besuchssperren in Krankenhäusern und Pflegeheimen. Sorge um die eigene Gesundheit und die der Liebsten.

Ich muss daran denken, was mir vor Jahren eine alte Frau in unserer Gemeinde sagte: „Ich habe mit der Bibel sonst nicht viel zu tun, aber es gibt einen Satz, der ist mir in meinem Leben ganz wichtig geworden: In der Welt habt ihr Angst, aber siehe, ich habe die Welt überwunden.

Sie erklärte mir auch, warum dieses Bibelwort ihr so wichtig war, weil sie so viel in ihrem langen Leben erlebt hatte, was ihr Angst machte.

In der Welt habt ihr Angst, sagt Jesus.

Das ist eine Feststellung, und es stimmt. Es gibt viele reale Gründe, um Angst zu haben.  Die Angst vor dem Coronavirus ist real in Deutschland, weltweit.

Die Angst vor Ansteckung, Angst vor dem Alleinsein, Angst vor den wirtschaftlichen Folgen.

Angst, weil man zur Risikogruppe gehört und Angst vor den nächsten Wochen mit Homeoffice und zwei kleinen Kindern in der Wohnung, Angst, weil die Tafel geschlossen hat, Angst vor dem Tod.

Es kommen auch irrationale Ängste zutage, Ängste, die einen staunen lassen: die Angst der Deutschen, dass das Klopapier nicht reichen könnte oder die Nudeln ausgehen.

In der Welt habt ihr Angst.

Aber siehe, ich habe die Welt überwunden.

Jesus bleibt nicht bei der Angst stehen.

„Überwinden“, so sagt man, wenn man ein Hindernis überwindet, einen Graben überspringt oder etwas hinter sich gelassen hat.

Jesus spricht von einer zweiten Wirklichkeit, die nicht von der Angst bestimmt ist, sondern Angst überwindet.

Auch diese Wirklichkeit erleben wir in diesen Tagen: Nachbarschaftshilfe, Einkaufsdienste, Politikerinnen und Politiker, die sich für ihre Bürger einsetzen, Menschen, die kreativ sind, Konzerte im Internet, Fußballer, die Geld spenden, Ärzte und Pflegepersonal, das bis zur Erschöpfung arbeitet, Menschen, die ihren Humor nicht verloren haben.

Das ist gelebte Solidarität, mit der die Angst und Sorge nicht weg ist, aber ein Stück überwunden werden kann.

Die Wirklichkeit der Angst überwinden und einen Schritt darüber hinaus zu wagen, darauf kommt es an: wagen zu teilen: brauche ich wirklich so viel Klopapier und so viel Nudeln? Mal ehrlich!

Scheu überwinden und zum Telefon greifen und jemanden anrufen und fragen: wie geht es dir?

Die Kirchen sind geschlossen, aber wir laden Sie ein zum gemeinsamen Gebet. Jeden Abend werden um 19.30h die Glocken läuten. Sie können zuhause, vielleicht sogar sichtbar am Fenster, eine Kerze dazu anzünden.

Gemeinsam können wir für die Menschen beten, für die Kranken und Alten, die wir im Moment nicht besuchen dürfen und um die wir uns sorgen, für die Helferinnen und Helfer, für die, die Verantwortung tragen.

Auch beten hilft, Angst zu überwinden:

„Gott, gib uns die Gelassenheit,
Dinge hinzunehmen, die wir nicht ändern können,
den Mut, Dinge zu ändern, die wir ändern können,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“ (Reinhold Niebuhr)

Liebe Gemeinde, ich wünsche Ihnen Kraft und Vertrauen!

Manchmal führen Krisen dazu, dass man das Alte überdenkt und sich neue Wege öffnen. Wir werden es sehen.

Lassen Sie uns versuchen, aus dem Bösen das bestmöglich Gute zu machen.

Amen.

Posaunenchor - "Turmstück in g" von Herbert Gadsch

Gebet

Lasst uns gemeinsam aller gedenken…

…die alt und krank sind.

 Möge immer eine liebe Person für sie da sein und sie unterstützen und pflegen.

…die voller Angst sind.

Möge ihnen durch ruhige Worte und ein offenes Ohr die Angst besänftigt.

…die unermüdlich und selbstlos in Krankenhäuser/ Arztpraxen/ Pflegeheimen ihrem Dienst nachgehen.

Möge Gott ihnen allen Kraft und Stärke senden, um gesund zu bleiben.

(Aus: coronagebet.evangelisch.de)

 

Mit allen Christinnen und Christen beten wir das Gebet,

das Jesus uns gegeben hat:

 

Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Gott sei vor dir
Gott sei vor dir, wenn du den Weg nicht weißt.
Gott sei neben dir, wenn du unsicher bist.
Gott sei über dir, wenn du Schutz brauchst.
Gott sei in dir, wenn du dich fürchtest.
Gott sei um dich wie ein Mantel, der dich wärmt und umhüllt.

So segne euch heute und alle Tage eures Lebens,
der dreieinige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen

Gottesdienst per Post

Wenn Sie möchten, schicken wir Ihnen die schriftlichen Gottesdienste auch per Post.

Dazu brauchen wir nur Ihren Name und Ihre Anschrift, die Sie den Gemeindebüros oder den Pfarrerinnen mitteilen können.

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