Gottesdienst für Zuhause

Liebe Gemeinde,

da derzeit aufgrund der Coronakrise keine Gottesdienste stattfinden, laden wir Sie ein, von zuhause einen Gottesdienst mitzufeiern.

Wie gewohnt läuten in Lünen-Süd um 09.30 Uhr und in Hormstmar um 11 Uhr die Glocken und rufen uns zum Gottesdienst. Wir vertrauen darauf, dass wir als Christinnen und Christen untereinander verbunden sind durch Gottes Geist und im Gebet.

Vielleicht haben Sie die Möglichkeit, eine Kerze anzuzünden, während Sie den schriftlichen Gottesdienst lesen, und es sich irgendwo bequem zu machen.

Gottesdienst für den 26. April 2020 - Zweiter Sonntag nach Ostern: Misericordias Domini

von Pfarrerin Kira Engel

"Der Herr, mein Hirte, führet mich" von J. Seymor Irvine

gespielt von Wilfried Gunia an der Orgel

Im Namen Gottes,
des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat.

Wochenpsalm 23

Der Herr ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

Lutherbibel, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Predigt

Liebe Gemeinde,

klingen Ihnen die Worte des Psalms noch in den Ohren?

„Der Herr ist mein Hirte“

Worte, bei denen Sie sicher direkt Bilder vor Augen haben.

Ein Psalm, der viele verschiedene Erinnerungen weckt.

Vielleicht erinnern Sie sich an die Situation, in der Sie probiert haben, diese Worte für die nächste Konfirmandenstunde und den bohrenden Blick des Pfarrers auswendig zu lernen. Oder kommt Ihnen der Moment in den Sinn, in dem Sie die alten, alt bewährten Worte an einem Krankenbett gebetet haben?

Sehen Sie einen Hirten vor sich? Saftige Wiesen? Ein dunkles Tal? Einen gedeckten Tisch?

Der Psalm 23 ist voller Bilder, er regt die Phantasie an und viele haben eine eigene Beziehung zu diesen besonders bekannten Worten aus dem biblischen Psalter.

Ich erinnere mich noch gerne daran, wie wir im letzten Sommer auf der Konfi-Freizeit eine Nachtwanderung zu diesem Psalm unternommen haben. Bevor wir aufgebrochen sind, hat die Gruppe einen Hirten – in unserem Fall eine Hirtin – bestimmt, die uns dann stilecht mit Umhang, Hut und Stab in den Wald geführt hat. Dort im Dunklen den Weg zu finden, sich vorne auf die Hirtin zu verlassen, war eine besondere Erfahrung für die ganze Gruppe. Und es bleibt für mich eine Erfahrung, die mir gezeigt hat, wie aktuell diese viele hundert Jahre alten Worte noch sind.

 

„Der Herr ist mein Hirte“

 

Manchmal wünsche ich mir das:

einen, der für mich sorgt, der mir den rechten Weg zeigt und mich unbeschadet durch Gefahren führt. Einen, der meinen Durst nach Leben stillt und nach mir sucht, wenn ich verloren gehe.

Gerade in diesen Tagen wünschen sich viele einen, der für die sorgt. Besonders wohl die, die sich selbst den ganzen Tag um andere sorgen und Kranke behandeln, Alte pflegen, Kinder bei Laune halten, Großeltern versorgen oder Mitarbeiter*innen schützen.

Sie alle fallen in diesen besonderen Tagen, in denen das SARS-CoV-19 die Welt in seinem Griff hat, abends müde ins Bett und nicht wenige wünschten sich einen, der auch für sie Sorge trägt.

Und natürlich gibt es die auch. Sie haben Ihren Auftritt in Talkshows oder Pressekonferenzen, geben Interviews und halten Reden im Bundestag. Die einen fordern die Öffnung der Schulen, andere setzen sich für die Ladenbesitzer ein. Die einen denken an Ärzte, andere an Fußballspieler und leise Stimmen setzen sich auch mal für die vergessenen Alleinerziehenden ein.

Bei diesem nicht besonders harmonischen Konzert der Stimmen kommt mir Frage: So viele verschiedene Hirten, die sich für ihre Herde einsetzen – brauchen wir nicht einen, der sich für alle einsetzt?

Einen, der nicht nur eine Gruppe, nämlich seine Gruppe, seinen Vorteil, seine Wählerstimmen sieht, sondern der alle Menschen gleichermaßen im Blick hat.

Wenn ich mich umschaue, dann wünsche ich mir einen der uns alle gleichermaßen ansieht und unsere Sorgen und Ängste ernst nimmt, auch wenn wir diese Wochen ganz unterschiedlich erleben oder unter ihnen leiden. Ich wünsche mir kein Gegeneinander der Hirten, die ihre Schäfchen ins Trockene bringen wollen, sondern einen, der für alle einsteht. Ein Hirte, der alle sucht und versorgt – selbst die, die in ihren Wohnungen verloren gegangen sind, weil sich gerade keiner um sie kümmert. Der auch durchwachte Nächte nicht scheut, der Geduld und Opfer bringt, wenn es nötig ist. Auch, wenn das keinerlei Dank oder Anerkennung bringt.

Auch der Predigttext für diesen Sonntag kennt diesen Wunsch:

„Dazu hat er euch nämlich berufen. Denn auch Christus hat für euch gelitten. Er hat euch ein Beispiel gegeben, damit ihr ihm in seiner Fußspur nachfolgt.

Er hat keine Schuld auf sich geladen und aus seinem Mund kam nie ein unwahres Wort. Wenn er beschimpft wurde, gab er es nicht zurück. Wenn er litt, drohte er nicht mit Vergeltung. Sondern er übergab seine Sache dem gerechten Richter.

Er selbst hat unsere Sünde mit seinem eigenen Leib hinaufgetragen an das Holz. Dadurch sind wir für die Sünde tot und können für die Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr geheilt.

Ihr wart wie Schafe, die sich verirrt hatten. Aber jetzt seid ihr zu eurem Hirten und Beschützer zurückgekehrt.“
(1. Petrus 2,21-25)

Auf den ersten Blick könnte man denken, dass das Leid hier angehimmelt, die Unterwerfung zum Ideal erhoben wird. Diese Vorstellung erschreckt mich.

Was mich aber fasziniert: Mein Hirte ist kein Mensch, der über den Dingen schwebt. Mein Hirte ist einer, der das Leben und die Überforderung und das Alleinsein kennt.

Noch ganz im österlichen Freudenjubel lese ich in diesem Text auch, dass aus völlig unhaltbaren, erniedrigenden Zuständen etwas Heilsames werden kann. Wie das sein kann, bleibt offen. Es ist nicht zu erklären, dass blutende Wunden für etwas gut sein sollen. Oder das aus etwas tot geglaubtem neues Leben entsteht. Es ist schlicht ein unfassbares Wunder.

Aber mir macht das Hoffnung. Da, wo wir kein Morgen mehr vermuten, da ist eine Zukunft möglich. Diesem Glauben folge ich gerne. Da bin ich gerne ein Schaf, das etwas wackelig auf den Beinen dem Ruf seines Hirten folgt. Weil ich ahne, dort gibt es grüne Wiesen, frisches Wasser und einen Platz für jeden. Dort ist für alle gesorgt.
Amen.

Gebet

Jesus Christus,

du guter Hirte,

du kennst uns, dir können wir uns und die, die uns am Herzen liegen, anvertrauen.

Wir bitten dich für Sarah und alle, die sich Sorgen um ihre Großeltern machen.
Lass sie Wege finden, einander nah zu sein. Stärke sie für den Weg, der vor ihnen liegt.

Wir bitten dich für Christoph und alle, die nicht wissen, wie sie die Miete bezahlen sollen.
Nimm ihnen die Zukunftsangst. Verschenke deine Hoffnung.

Wir bitten dich für die Konfirmandinnen und Konfirmanden, die in diesen Tagen ihre Konfirmation feiern wollten.
Vergiss sie nicht. Lege deinen Segen auf sie.

Wir bitten dich für die, die den Gottesdienst vermissen.
Erfülle sie mit deinem Geist. Schenk ihnen heilsame Begegnungen.

Und nun höre, wenn wir das Gebet sprechen, das du uns gelehrt hat:

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Gott segne uns und behüte uns.

Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.

Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.

Amen.

"Jesus bleibt meine Freude" von J.S. Bach

gespielt von Wilfried Gunia an der Orgel

Kollekte

Wie auch sonst im Gottesdienst üblich, sammeln wir Geld für die, die unsere Hilfe brauchen. Unter www.kollekte-online.de ist es möglich, etwas zu geben.

Das Angebot wurde von der Westfälischen Landeskirche eingerichtet. Es wird immer für den am jweiligen Sonn- oder Feiertag vorgesehenen Kollektenzweck gesammelt.

Kollekten für die Diakonie in unserer Gemeinde sind derzeit nur über Spenden möglich, die in die Briefkästen der Gemeindebüros geworfen werden können.

Gottesdienst per Post

Wenn Sie möchten, schicken wir Ihnen die schriftlichen Gottesdienste auch per Post.

Dazu brauchen wir nur Ihren Name und Ihre Anschrift, die Sie den Gemeindebüros oder den Pfarrerinnen mitteilen können.

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