Gottesdienst für Zuhause

Liebe Gemeinde,

da derzeit aufgrund der Coronakrise keine Gottesdienste stattfinden, laden wir Sie ein, von zuhause einen Gottesdienst mitzufeiern.

Wie gewohnt läuten in Lünen-Süd um 09.30 Uhr und in Hormstmar um 11 Uhr die Glocken und rufen uns zum Gottesdienst. Wir vertrauen darauf, dass wir als Christinnen und Christen untereinander verbunden sind durch Gottes Geist und im Gebet.

Vielleicht haben Sie die Möglichkeit, eine Kerze anzuzünden, während Sie den schriftlichen Gottesdienst lesen, und es sich irgendwo bequem zu machen.

Gottesdienst für den 29. März 2020 - Fünfter Sonntag der Passionszeit: Judika - "Schaffe mir Recht!"

von Pfarrerin Andrea Ohm

Im Namen Gottes,
des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat.

Wochenpsalm 43

Schaffe mir Recht, Gott, 

und führe meine Sache wider das treulose Volk

und errette mich von den falschen und bösen Leuten!

Denn du bist der Gott meiner Stärke:

Warum hast du mich verstoßen? Warum muss ich so traurig gehen, wenn mein Feind mich drängt?

Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten

und bringen zu deinem heiligen Berg und zu deiner Wohnung,

dass ich hineingehe zum Altar Gottes, zu dem Gott, der meine Freude und Wonne ist,

und dir, Gott, auf der Harfe danke, mein Gott.

Was betrübst du dich, meine Seele,

und bist so unruhig in mir?

Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken,

dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.

 

Lutherbibel, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

EG 97 "Holz auf Jesu Schulter"

an der Orgel gespielt von Wilfried Gunia

Predigt

Predigttext aus Hebräer 13,12-14

Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor. So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen. Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

 

Liebe Schwestern, liebe Brüder,

schon der Kirchenvater Origenes hat über den „Hebräerbrief“ gesagt: „Wer den Brief geschrieben hat – die Wahrheit weiß Gott allein." Auch heute wissen wir nicht wirklich, woher der „Hebräerbrief“ kommt, und wir wissen auch nicht, an wen der Brief geschrieben wurde. Aber der Name „Hebräer“ verrät die Nähe zum Judentum.

Das, was über Jesus gesagt wird und wie Jesus gedeutet wird, hat seinen Ursprung in der jüdischen Tradition. Das ist ja auch gar nicht verwunderlich, weil Jesus ja jüdischer Herkunft war.

Für uns heute klingt die Sprache und Ausdrucksweise des Hebräerbriefes allerdings sehr befremdlich: aus einer fernen Welt und einer fernen Zeit.

Im Hebräerbrief wird das Kreuz Jesu mit einem „Tieropfer“ verglichen.

Früher war es im Judentum – wie auch in anderen Religionen -üblich, der Gottheit ein Tier zu opfern. Das Tieropfer sollte ausdrücken: „Eigentlich hätten wir den Tod verdient“, stattdessen musste das Tier stellvertretend sterben.

Das Tieropfer war also ein Eingeständnis von Schuld, von Reue und Buße. Und es war ein Zeichen dafür, dass die Menschen sich mit Gott versöhnen wollten, so wie eine ausgestreckte Hand und die Bitte: Vergib uns.

Zum Glück ist die Zeit der Tieropfer vorbei, selbstverständlich auch im Judentum.

Jedoch: das Prinzip „Sündenbock“ gibt es leider auch heute. Da wird jemand ausgeguckt, dem man die Schuld zuschiebt und der muss dann alles ausbaden.

In manchen Familien, in der Schule gibt es das, dass einer die Rolle des Sündenbocks bekommt, an dem kann man alles abladen kann: Wut, Frust, Verantwortung... In der Gesellschaft gibt es das, dass eine Gruppe, meist eine Randgruppe, zum Sündenbock abgestempelt wird.

Rechtspopulisten z.B. machen Ausländer verantwortlich für Kriminalität, Arbeitslosigkeit und alles, was schief läuft.

Einen Sündenbock zu haben, macht es einfach und bequem.

Der Hebräerbrief sagt: Jesus hat sich quasi freiwillig für uns Menschen zum Sündenbock gemacht. Er nimmt unsere Schuld auf sich. Aber nicht wir Menschen sind es, die die Hand zur Versöhnung ausstrecken, sondern Gott ist es, der seine Hand zu uns ausstreckt.

Versöhnung, das bedeutet: Frieden und Gemeinschaft sind wieder hergestellt.

Gott ist mit uns im Reinen durch Jesus. Ich bin freigesprochen: keine Strafe, kein Abschieben, auch nicht am Ende meines Lebens.

Viele Menschen glauben, am Ende des Lebens kommt die große Abrechnung. Manchmal, gebe ich zu, wünschte ich es mir, dass die, die Unrecht tun, die verantwortlich sind für Gewalt und Tod, ihre Strafe kriegen, wenigstens am Ende.

Aber letztlich bin ich froh, dass es nicht so sein wird, dass Jesus das alles für uns erledigt hat. Denn ich bin ja auch nicht fehlerfrei, bin nicht nur gut, kann gemein sein, verletzte andere, bin ungerecht...

Gottes Versöhnung mit uns Menschen und wie es am Ende sein wird, das bleibt sein großes Geheimnis und das ist gut so.

Als Christinnen und Christen ist es nicht unsere Sache, sich um das Ende zu sorgen, weil uns das Gott durch Jesus abgenommen hat. Vielmehr sollen wir uns um das Diesseits sorgen und wie Jesus „hinausgehen vor das Lager“.

Hinausgehen bedeutet, dass ich mich nicht verkrümel, nicht vor der Welt fliehe, nicht vor Leid, nicht vor den schwierigen Seiten des Lebens die Augen verschließe.

Wir haben einen Auftrag „draußen“ in der Welt. Die Welt, unser Leben hier ist oft sehr unschön ist. Es gibt so viel Leid. Und trotzdem ist genau dieses unser irdisches Leben der Ort, an dem Gott uns begegnet: „die Welt lieben als Ort, an dem Gott uns begegnen will, in allem Tun, in jedem Ding...“ (Martin Buber)

Auch jetzt in der Coronakrise können wir es erfahren, dass Gott uns begegnet, z.B. in den Ärzten und Schwestern, die bereits im Ruhestand sind und doch bereit, in den Krankenhäusern zu helfen, in den Menschen unserer Gemeinde, die sich gegenseitig anrufen und Telefonketten gegen Einsamkeit bilden.

Kontaktsperren und Ausgehverbote hindern uns nicht daran, Anteil zu nehmen.

Gott kann uns sogar im tiefsten Leiden begegnen.

Wir erleben gerade eine beängstigende Zeit.

Wir werden erinnert an das, was uns der Hebräerbrief auch sagt, dass dieses Leben hier keine „bleibende Stadt“ ist. Wir haben kein Bleiberecht auf der Erde, wir sind nur auf der Durchreise. Genau das macht unser Leben kostbar und einzigartig.

Aber unsere Lebensreise hat ein Ziel, und was am Schluss bleiben wird, ist die Versöhnung: Frieden und Gemeinschaft mit Gott für immer.

Denn wie heißt es so schön: Das Beste kommt zum Schluss!

EG 656 - "Fürchte dich nicht"

an der Orgel gespielt von Wilfried Gunia

Gebet

Herr, wir bringen dir alle Erkrankten
und bitten um Trost und Heilung.
Sei den Leidenden nahe, besonders den Sterbenden.
Tröste jene, die jetzt trauern.
Schenke den Ärzten und Forschern Weisheit und Energie,
allen Krankenschwestern und Pflegern,
die nicht in Quarantäne gehen können,
Kraft in dieser extremen Belastung,
den Politikern und Mitarbeitern der Gesundheitsämter Besonnenheit.
Wir beten für alle, die in Panik sind,
für alle, die von Angst überwältigt sind,
um Frieden inmitten des Sturms,
um klare Sicht.

Wir beten für alle, die großen materiellen Schaden haben oder befürchten.
Guter Gott, wir bringen dir alle, die in Quarantäne sein müssen,
die sich einsam fühlen und niemanden umarmen können.
Berühre du Herzen mit deiner Sanftheit.

Wir beten, dass diese Epidemie abschwillt,
dass die Zahlen zurückgehen,
dass Normalität wieder einkehren kann.
Mach uns dankbar für jeden Tag in Gesundheit.
Lass uns nie vergessen, dass das Leben ein Geschenk ist
und wir irgendwann sterben werden
und dass wir nicht alles kontrollieren können,
dass du allein ewig bist,
dass im Leben so Vieles unwichtig ist, was oft so laut daherkommt.

Mach uns dank für so Vieles,
was wir ohne Krisenzeiten so schnell übersehen.
Wir vertrauen dir, ewiger Gott. Amen.

 

(Von Johannes Hartl, Leiter des Gebetshauses in Augsburg)

 

 

Mit allen Christinnen und Christen beten wir das Gebet, das Jesus uns gegeben hat:

 

Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Gott sei vor dir
Gott sei vor dir, wenn du den Weg nicht weißt.
Gott sei neben dir, wenn du unsicher bist.
Gott sei über dir, wenn du Schutz brauchst.
Gott sei in dir, wenn du dich fürchtest.
Gott sei um dich wie ein Mantel, der dich wärmt und umhüllt.

So segne euch heute und alle Tage eures Lebens,
der dreieinige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen

Gottesdienst per Post

Wenn Sie möchten, schicken wir Ihnen die schriftlichen Gottesdienste auch per Post.

Dazu brauchen wir nur Ihren Name und Ihre Anschrift, die Sie den Gemeindebüros oder den Pfarrerinnen mitteilen können.

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